Wenn Kinder als Erste in der Familie studieren oder einen höheren Bildungsabschluss erreichen als ihre Eltern, ist das für viele Eltern ein Moment großer Freude. Eine neue Studie der Universitäten Bamberg und Dortmund zeigt: Von solchen Bildungsaufstiegen profitieren nicht nur die Kinder selbst. Der Bildungserfolg wirkt sich auch positiv auf das Wohlbefinden ihrer Eltern aus. Sie berichten von einer größeren Lebenszufriedenheit, wenn ihre Kinder einen höheren Bildungsabschluss erreichen als sie selbst. Die Studie wurde von Dr. Alina Schmitz von der Technischen Universität Dortmund und Prof. Dr. Rasmus Hoffmann, Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie, insbesondere Soziale Ungleichheit, an der Universität Bamberg, durchgeführt. Ein Artikel dazu ist in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie erschienen.
Für ihre Analyse nutzten die Forschenden Daten der internationalen Langzeitstudie Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE). Sie werteten Angaben von rund 80.000 Eltern ab 50 Jahren aus 27 europäischen Ländern aus. Mehr als die Hälfte der Befragten hatte mindestens ein erwachsenes Kind, das einen höheren Bildungsabschluss erreicht hatte als sie selbst.
Mehr Bildung der Kinder – höhere Lebenszufriedenheit der Eltern
Die Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang: Eltern von Bildungsaufsteigerinnen und -aufsteigern berichten über eine höhere Lebenszufriedenheit als Eltern, deren Kinder das gleiche oder einen niedrigeren Bildungsabschluss erreichen. Besonders stark fällt dieser Effekt bei Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss aus. Für sie scheint der Bildungserfolg ihrer Kinder eine besonders große Bedeutung für das eigene Wohlbefinden zu haben. Zudem verstärkt sich der Effekt mit jedem weiteren Kind, das einen höheren Bildungsabschluss hat: „Unsere Ergebnisse zeigen eine Art Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je mehr Kinder ein höheres Bildungsniveau erreichen als ihre Eltern, desto höher ist die elterliche Lebenszufriedenheit“, sagt Alina Schmitz.
Stolz statt materieller Unterstützung
Um mögliche Erklärungen zu finden, untersuchten die Forschenden auch, ob der Zusammenhang mit engeren Familienbeziehungen oder stärkerer Unterstützung durch die Kinder zusammenhängt. Dafür analysierten sie unter anderem emotionale Nähe, finanzielle Unterstützung sowie praktische Hilfe im Alltag. Diese Faktoren erklären den Unterschied jedoch nicht: Eltern von Bildungsaufsteigerinnen und -aufsteigern erhalten weder häufiger finanzielle Unterstützung noch mehr praktische Hilfe im Alltag. Auch die emotionale Nähe zu den Kindern unterscheidet sich nicht. „Der Effekt scheint weniger mit konkreter Unterstützung zusammenzuhängen als mit psychologischen Faktoren – etwa mit Stolz auf die Leistungen der eigenen Kinder oder mit dem Gefühl, dass sie gut für die Zukunft aufgestellt sind“, erklärt Rasmus Hoffmann.
Neue Perspektive auf soziale Mobilität
Forschung zur sozialen Mobilität konzentriert sich meist auf die Menschen, die selbst sozial aufsteigen. Die neue Studie richtet den Blick dagegen auf die Generation der Eltern. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Wohlbefinden im Alter nicht nur von der eigenen Lebensgeschichte abhängt, sondern auch von den Bildungswegen der Kinder“, sagt Rasmus Hoffmann. „Damit eröffnet sich eine neue Perspektive darauf, wie soziale Ungleichheit über Generationen hinweg wirkt.“
Die Studie wurde aufgrund ihrer wissenschaftlichen Relevanz als „SHARE Finding of the Month“ im Februar 2026 ausgewählt. SHARE ist eine der größten europäischen Längsschnittstudien zu Gesundheit, Alter und Lebensbedingungen und umfasst Informationen mit Relevanz für zahlreiche sozialwissenschaftliche Disziplinen.
Publikation: Schmitz, A.; Hoffmann, R. (2025): Children’s Upward Educational Mobility as a Booster for Parents’ Subjective Well-Being in Later Life. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 77, S. 803–823. DOI: https://doi.org/10.1007/s11577-025-01021-0
