Vom CB-Funk in den 1990ern zum Lehrstuhl in den 2020ern

Mit einem Geschenk vom Osterhasen nahm Florian Klinglers Faszination für Rechnernetze seinen Anfang. Jetzt ist er Professor an der Universität Bamberg.

Porträt Florian Klingler
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  • 08.01.2026
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  • Hannah Fischer
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  • Lesedauer: 6 Minuten

Seit dem Wintersemester 2025/26 verstärkt Prof. Dr. Florian Klingler die Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik (WIAI). Er hat den Lehrstuhl für Rechnernetze inne und ist Nachfolger von Prof. Dr. Udo Krieger, der bis 2025 Professor für Informatik, insbesondere Kommunikationsdienste, Telekommunikationssysteme und Rechnernetze, war. Im Interview spricht Florian Klingler über seinen Weg nach Bamberg, über seine Vorstellung von guter Lehre – und darüber, woher seine Faszination für alles, was kommuniziert, herrührt.

Seit dem Wintersemester 2025/26 sind Sie Professor für Rechnernetze an der Universität Bamberg. Welcher Weg hat Sie hierhergeführt?

Florian Klingler: Studiert habe ich Informatik an der Universität Innsbruck. Schon damals war klar: Mich interessiert vor allem Netzwerktechnik, also alles rund um Kommunikation zwischen Systemen. Nach dem Master bin ich für ein halbes Jahr an die Hong Kong Polytechnic University gegangen – das war mein erster längerer wissenschaftlicher Auslandsaufenthalt und für mich sehr prägend. Zurück in Innsbruck habe ich die Promotion begonnen, bin nach etwa einem Jahr mit meinem Doktorvater an die Universität Paderborn gewechselt und habe dort meine Dissertation zu drahtlosen Kommunikationssystemen und Fahrzeugnetzen abgeschlossen. Anschließend war ich als Postdoc tätig und habe wenig später eine W3 Vertretungsprofessur für Rechnernetze übernommen, die rückblickend ein enormer Boost für meine Karriere gewesen ist. Danach hatte ich eine W1 auf W3 Tenure-Track-Professur für IoT Engineering an der TU Ilmenau inne – und als sich dann die Möglichkeit ergab, den W3 Lehrstuhl für Rechnernetze an der Universität Bamberg zu übernehmen, war das für mich fachlich und persönlich eine sehr reizvolle Perspektive.

Was war für Sie ausschlaggebend, sich für Bamberg zu entscheiden?

Zum einen die inhaltliche Passung: Rechnernetze sind genau das Feld, in dem ich mich zuhause fühle. Zum anderen die Gestaltungsmöglichkeiten. Die Fakultät ist in den letzten Jahren stark gewachsen, vieles ist im Auf- und Umbau – das bedeutet Freiheit, Strukturen mitzugestalten und Lehr- und Forschungsschwerpunkte zu setzen. Und dann ist da Bamberg selbst: ein lebendiges Umfeld und eine Stadt mit viel Kultur. Dass ich an meinem ersten Tag an der Fakultät zufällig durch die Räumlichkeiten der Musikdidaktik gelaufen bin und dort Klavier und Orgel gesehen habe, hat sicher auch geholfen – Musik ist ein wichtiger Teil meines Lebens.

Was beschäftigt Sie in Ihrer Forschung?

Meine Forschung beschäftigt sich primär mit Drahtloskommunikation und lässt sich in drei Säulen gliedern: Die erste Säule dreht sich um Mobilfunknetze (5G, 6G, und darüber hinaus) – also vor allem darum, wie wir heutige und zukünftige Mobilfunksysteme effizienter, zuverlässiger und flexibler machen können.

Die zweite Säule sind kooperative Systeme, insbesondere Fahrzeugkommunikation. Ein typisches Szenario: Auf der Autobahn steht hinter einer Nebelwand eine Fahrzeugkolonne. Mit Funkkommunikation können Fahrzeuge sich gegenseitig warnen, lange bevor die Fahrerin oder der Fahrer etwas sieht. 

Die dritte Säule betrifft eingebettete Systeme. Da geht es weniger als in den anderen beiden Säulen um maximale Datenrate und Leistung, sondern um zuverlässige und energieeffiziente Kommunikation, meistens aber auch geringe Latenzen. Ein Beispiel dafür ist Smart Audio Streaming, also die drahtlose Übertragung von Audiodaten über das Internet oder ein lokales Netzwerk. 

Haben Sie schon konkrete Pläne, welche Projekte Sie in Bamberg anstoßen möchten?

Ich möchte ein eigenes 5G-Campusnetz nach Bamberg holen. Viele Teile der benötigten Hardware und Erfahrungen aus einem vorherigen Projekt bringe ich mit, aber das Ganze braucht Aufbauzeit und auch eine passende Lizenzierung über die Bundesnetzagentur. Außerdem möchte ich mich gern im Umfeld des Smart City Research Lab einbringen. Alles, was kommuniziert, ist für mich interessant – ob es nun um Verkehr, Denkmalschutz, Umweltmessungen oder andere Anwendungen geht. Und Bamberg bietet hier sehr viele Möglichkeiten für Anknüpfungspunkte und Kooperationen.

Was ist Ihnen in der Lehre besonders wichtig?

Mir ist ein solides technisches Verständnis wichtig. Wer versteht, was auf physikalischer Ebene passiert, kann auch neue Technologien besser einordnen. Der schönste Moment für mich ist, wenn bei Studierenden buchstäblich die Augen aufleuchten, weil sie etwas verstanden haben. Gleichzeitig musste ich persönlich lernen, dass eigenes technisches Verständnis nicht heißt, dass man Inhalte automatisch gut erklären kann. Erst durch den Perspektivwechsel hin zu den Studierenden hat sich meine Lehre wirklich weiterentwickelt. Dass ich während meiner Vertretungsprofessur in Paderborn einen Lehrpreis (Weierstraß-Preis) erhalten habe, war eine besondere Bestätigung für die viele Arbeit, die ich in die Lehre gesteckt habe.

Warum sollten sich Abiturientinnen und Abiturienten Ihrer Meinung nach für ein Studium der Informatik – und speziell für Rechnernetze – entscheiden?

In einer Welt, die immer stärker digitalisiert ist, halte ich ein gutes technisches Verständnis für unverzichtbar – nicht nur, um Technologien zu nutzen, sondern um sie aktiv mitzugestalten. Rechnernetze sind ein spannender Schwerpunkt, wenn man wissen möchte, was eigentlich passiert, bevor eine Nachricht im Messenger ankommt, ein Video gestreamt wird oder ein Fahrzeug autonom und kooperativ fährt. Es geht um die Infrastruktur, die all das überhaupt erst möglich macht. Wer Freude daran hat, komplexe Systeme zu verstehen und effizienter zu gestalten, ist da sehr gut aufgehoben.

Gab es ein besonderes Ereignis, das Ihr Interesse an der Informatik geweckt hat?

Ein prägendes Erlebnis war, als mir der Osterhase irgendwann in den 90er Jahren zwei Walkie-Talkies gebracht hat – und zwar keine Spielzeuggeräte, sondern richtige CB-Funkgeräte mit langer Antenne und erstaunlicher Reichweite. Ich war damals noch keine zehn Jahre alt und habe stundenlang damit experimentiert, LKW-Fahrern zugehört, Kanäle gewechselt und versucht zu verstehen, wie das technisch funktioniert.

Was tun Sie, wenn Sie einmal nicht an Rechnernetze, Vorlesungen oder Forschungsanträge denken?

Zum einen Musik – ich spiele Saxophon, Klavier und Kirchenorgel und freue mich sehr, dass Bamberg mit seiner Kulturszene und sogar mit Instrumenten direkt neben meinem Büro etliche Möglichkeiten bietet. Zum anderen verbringe ich gern Zeit mit meiner Familie.

Und ehrlich gesagt: Vieles von dem, was ich tue, fühlt sich für mich gar nicht wie Arbeit an. Ich habe großes Glück, dass ich meine Neugierde für Technik, meine Freude am Erklären und meine Fachinteressen in meinem Beruf ausleben kann. 

Vielen Dank für das Gespräch!

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Seite 174443, aktualisiert 08.01.2026