Grenzen und politische Kommunikation im Wandel

Isabel Kusche thematisiert bei ihrer Antrittsvorlesung politische Kommunikation im Netz – Daniel Drewski vergleicht die Aufnahme von Geflüchteten in sechs Ländern.

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  • 28.06.2022
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  • Carolin Gißibl
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  • Lesedauer: 2 Minuten

Mit der Verbreitung des Internets und sozialer Medien hat sich das Ausmaß, in dem politische Kommunikation öffentlich beobachtbar ist, verändert. Oft ist in diesem Zusammenhang die Rede von „Microtargeting“ – ausgelöst durch den Cambridge-Analytica-Skandal – aber auch von „Filterblasen“ und „Echokammern“. Mit anderen Worten: Es gibt Befürchtungen, dass manche Nutzer*innen sozialer Medien von der Öffentlichkeit isoliert werden oder sich selbst isolieren und dadurch nur noch ähnlichen politischen Meinungen wie den eigenen begegnen – was negative Folgen für die Demokratie hätte.

„Die empirische Forschung zeigt allerdings, dass Filterblasen oder Echokammern äußerst selten sind und Microtargeting nicht besonders präzise ist“, sagt Prof. Dr. Isabel Kusche, Inhaberin der Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt digitale Medien. In ihrer Antrittsvorlesung am Mittwoch, 6. Juli, beschäftigt sie sich mit den politischen Effekten von Internet und sozialen Medien. „Ich frage, wie sich die Kommunikation professioneller politischer Akteure verändert. Zur Veranschaulichung gehe ich kurz auf eine empirische Untersuchung von Videos aus dem Wahlkampf zur Parlamentswahl in Irland 2016 ein.“

Die Antrittsvorlesung mit dem Titel „Das Beobachten von Beobachtungen – Zum digitalen Strukturwandel politischer Öffentlichkeit“ findet am Mittwoch, 6. Juli, um 19 Uhr in der Feldkirchenstraße 21, Raum F21/01.37 statt. Im Anschluss wird Prof. Dr. Daniel Drewski seine Antrittsvorlesung zu „Grenzen und Grenzziehungen – Öffentliche Debatten zur Aufnahme von Geflüchteten im Ländervergleich“ halten.

Der Juniorprofessor für Soziologie Europas und der Globalisierung beschäftigt sich in seiner Forschung mit dem Phänomen der „Grenze", also der sozialen Institution, die Staaten und Gesellschaften voneinander trennt. „In meiner Antrittsvorlesung möchte ich vor allem aus einem Projekt berichten, das ich derzeit zusammen mit Jürgen Gerhards von der FU Berlin durchführe“, sagt Drewski. „Darin geht es um die Frage, wie man die unterschiedliche Bereitschaft von Ländern erklären kann, ihre Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, um ihnen Schutz zu bieten.“ Um das herauszufinden, analysieren die beiden Wissenschaftler politische Debatten über die Aufnahme von Flüchtlingen in sechs Ländern: Chile, Deutschland, Polen, Singapur, Türkei und Uganda. Sie zeigen, wie insbesondere nationale Identitätskonstruktionen und die Deutung „der Anderen" die Aufnahmebereitschaft prägt.

Nach der Veranstaltung laden Isabel Kusche und Daniel Drewski zu einem Empfang im Foyer ein. Es gelten die aktuellen Corona-Hygienevorschriften. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Weitere Informationen unter: www.uni-bamberg.de/sowi/news-sowi/antrittsvorlesungen 

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