NaMo 2022 – ganz im Zeichen des Wandels

Der Nachhaltigkeitsmonat findet heuer erstmals in Kooperation mit der Stadt Bamberg statt.

Studentinnen beim Gärtnern
  • Campus
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  • 21.06.2022
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  • Hannah Fischer
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  • Lesedauer: 9 Minuten

2013 begann alles mit dem „Tag der ökosozialen Marktwirtschaft“. Daraus wurde der Tag der Nachhaltigkeit, dann die Woche der Nachhaltigkeit und inzwischen kann ein ganzer Monat mit Vorträgen, Workshops, Ausstellungen, Aktionen rund um das Thema gefüllt werden, wie Dr. Yelva Larsen aus der Didaktik der Naturwissenschaften bei der Auftaktveranstaltung berichtet. Sie organisiert den Nachhaltigkeitsmonat – kurz NaMo 2022 – gemeinsam mit den Büros für Nachhaltigkeit der Stadt und Universität Bamberg.

„Ich hoffe eigentlich, dass wir über kurz oder lang ein ganzes Jahr der Nachhaltigkeit organisieren. Oder, noch besser, ein immerwährendes Verhalten erreichen, um so zu einer Selbstverständlichkeit in Sachen Nachhaltigkeit zu gelangen, die eigentlich gar keiner besonderen Aktionen bedarf“, sagt die Kanzlerin und Nachhaltigkeitsbeauftragte der Universität Dr. Dagmar Steuer-Flieser bei der Auftaktveranstaltung. Bis es vielleicht irgendwann so weit ist, bietet der Nachhaltigkeitsmonat eine gute Möglichkeit, sich über das Thema zu informieren, Dinge auszuprobieren und ein Teil des Wandels zu sein. Über 50 Veranstaltungen finden während des NaMo 2022 statt – heuer erstmals in Kooperation mit der Stadt Bamberg. Bis Ende Juni habt ihr noch die Chance, an den Veranstaltungen teilzunehmen. Hier erfahrt ihr in Ausschnitten, was bisher passiert ist …

Die Auftaktveranstaltung des Nachhaltigkeitsmonats stand unter dem Titel „Transformation regional gestalten“. In einem Impulsvortrag gab Manfred Miosga, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth, einen Einblick in das „forum 1.5“. Das Nachhaltigkeitsnetzwerk ist offen für alle in Bayreuth und Oberfranken, die sich für Klima- und Umweltschutz einsetzen. Genauer gesagt: Das „forum1.5“ arbeitet an der Einhaltung des 1,5°C-Ziels des Pariser Klimaabkommens. Es macht aus allen Initiativen und Engagierten in Bayreuth und der Region Oberfranken eine Gemeinschaft, indem es Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft an einen Tisch bringt. So soll gemeinsam der Weg in eine klimagerechte Zukunft beschritten werden. Das Netzwerk will auch Vorbildcharakter für ähnliche Initiativen in anderen Regionen und Kommunen haben.

In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es heiß her: Denkt das „forum 1.5“ den Wandel eher von der Zivilgesellschaft und der Vernetzung verschiedener Akteure her, so gibt es ebenso Meinungen, die den primären Schlüssel zur Lösung in der Privatwirtschaft sehen. Auf dem Podium diskutierten sowohl Vertreter*innen der Stadt als auch der Universität Bamberg. Dabei waren: Prof. Dr. Barbara Wittmann, Juniorprofessorin für Europäische Ethnologie (r.), Prof. Dr. Thorsten Staake, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Energieeffiziente Systeme (2.v.r.), Tobias Schenk, Leiter des Klima- und Umweltamtes der Stadt (l.), sowie Eva Heising, Multiplikatorin von Smart City Bamberg. Manfred Miosga (2.v.l.) moderierte die Diskussion. Auch wenn sich die verschiedenen Perspektiven auf das Thema vermeintlich unversöhnlich gegenüberstehen, eint sie doch eines: Sie wollen alle zur Einhaltung des 1,5°C-Ziels beitragen.

Nach der Podiumsdiskussion wurde im Naturkundemuseum die Ausstellung „FunGi Revolution!“ eröffnet. Ein weniger bekannter, aber innovativer Ansatz zur Gestaltung eines menschengerechten 21. Jahrhunderts sind Pilze. Sie eignen sich etwa als Fleischersatz, können Kunststoffe ersetzen oder werden als Leder- und Baustoffersatz genutzt. Mit dem Ansatz „Art in progress“ wächst die Mitmachausstellung während des NaMo 2022 stetig an.

Die Ausstellungsobjekte bei „FunGi Revolution!“ wurden gemeinsam mit Studierenden in einem fächerübergreifenden Seminar der Didaktik der Kunst und der Didaktik der Naturwissenschaften an der Universität entwickelt. Die Ausstellung wird von der Lyzeumsstiftung gefördert und vom Atelier „KleberBudn25" unterstützt.

Das Atelier „KleberBudn25" hat den Studierenden sowohl Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt als auch bei unterschiedlichen Arbeiten unterstützt. Beim Workshop „Pilz auf Holz" sind etwa Holzdrucke entstanden. Ikonenmaler nutzten bereits im 6. Jahrhundert Holz. Im Workshop stellte Stephan Schaumann vom Atelier „KleberBudn25" das handwerkliche Kunst-Druck-Verfahren vor, bei dem sich Untergrund und Bild verbinden. Dabei wurden Drucke von Mykorrhiza-Pilzen auf das Holz der Bäume übertragen, mit denen sie in Symbiose leben. Jeder Druck ist ein Unikat, denn die Struktur des Untergrunds und die individuelle Maserung der Hölzer wurden konzeptionell in die Bilder eingebettet. Die Ergebnisse sind in der Ausstellung im Naturkundemuseum zu sehen.

Von der Ausstellung in die Feldkirchenstraße: Man kennt es – am eigenen Fahrrad ist nur eine Kleinigkeit kaputt, aber das Werkzeug fehlt und das Geld im Fahrradladen möchte man sich eigentlich sparen. Das Referat für Ökologie hat deshalb eine Fahrradreparatursäule beim Universitätsgebäude an der Feldkirchenstraße errichtet. Alle Universitätsangehörigen können dort einfach und in aller Schnelle ihre Drahtesel selbst reparieren. Das Referat für Ökologie hat sich außerdem zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren weitere Fahrradreparatursäulen an anderen Universitätsstandorten aufzustellen.

Bei zwei Workshops unter dem Titel „Fahrrad reparieren“ erklärte Kay Jürgens von der „Offenen Werkstatt Bamberg", welche Werkzeuge an der Säule vorhanden sind und wie damit Fahrräder repariert werden können. Es gibt eine Fahrradpumpe und zum Beispiel Inbus- und Maulschlüssel sowie Schraubenzieher. Diese kann man etwa nutzen, um die Bremsen zu lösen oder den Sattel nachzustellen. Den Mantelheber benötigt man, wenn das Fahrrad einen platten Reifen hat. Flickzeug muss man aber selbst mitbringen.

Außerdem griff Kay Jürgens auch allen bei der Reparatur unter die Arme, die an den beiden Workshoptagen da waren. Leo Wittmann konnte zum Beispiel seine Kette ölen und seinen Sattel neu einstellen.

Kay Jürgens hatte auch ganz praktische Tipps, wenn man das Fahrrad im Frühjahr wieder fit zum Fahren machen möchte: Man sollte den Reifendruck überprüfen. Rund drei Bar seien für fast jeden Reifentyp passend. Weil das Salz auf den Straßen die Fahrradkette stark austrocknet, sollten Radler*innen die Kette ölen. Außerdem ist im Frühjahr auch ein guter Zeitpunkt einmal die Bremsen zu überprüfen und gegebenenfalls nachzustellen.

Der Workshop „Urban Gardening – Pflanzaktion“ machte Freude am Anbau von Gemüsepflanzen im eigenen Garten, auf dem Balkon, der Terrasse oder im Innenhof. Gemeinsam mit Transition Bamberg und UniGardening hat die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) im Winter 2019 und Frühjahr 2020 einen Demonstrationsgarten am Schillerplatz angelegt. Neben klassischen Beeten, wie Hochbeet und Kistengarten, werden hier auch ein vertikales Beet und ein Wasserbeet gezeigt. Alle Pflanzen stammen vom Versuchsbetrieb der LWG Bamberg und von Gärtnereien aus der Region.

Das Projekt auf dem Gelände des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg zeigt Möglichkeiten auf, Freiflächen für den privaten Gemüseanbau zu erschließen und Anbauflächen auf engem Raum zu schaffen, auch ohne Garten und teilweise ohne Erde. Gundula Holm von der LWG erklärte den Workshopteilnehmer*innen beispielsweise, wie Hydroponik funktioniert …

Beim Anbau in Wasserbeeten gedeihen Salate und Kräuter freischwimmend in erdloser Kultur. Mit einem hydroponischen System lassen sich Gemüse und Kräuter so auch auf der Terrasse, im Innenhof oder anderen befestigten Flächen rund ums Haus anbauen. Nicht nur die Anbaufläche, sondern auch Wasser und Düngemittel werden dabei effizient genutzt.

Im Anschluss gab es die Möglichkeit, selbst einen Korb, einen Balkonkasten und viele weitere Gefäße zu bepflanzen – mit Tomaten, Paprika, Chili oder auch bienenfreundlichen Kräutern wie Schnittlauch oder Strauchbasilikum. Übrigens: Das UniGardening sucht noch Studierende oder auch Mitarbeiter*innen der Universität, die eine Beetpatenschaft für die drei Hochbeet-Standorte Feldkirchenstraße, Markusplatz und Schillerplatz 15 übernehmen möchten. Mehr Infos: www.uni-bamberg.de/unigardening

Ganz grün ging es bei der Pflanztauschaktion der Bamberger Grün-Linken Studierendeninitiative (BAGLS) weiter. Alle, mit einem grünen Daumen oder Lust darauf, das eigene Zuhause mit Pflanzen zu verschönern, waren willkommen. Bei der Aktion konnten eigene Ableger, Setzlinge und Topfpflanzen gegen andere eingetauscht werden. Außerdem gab es Informationen, was es bei Zimmerpflanzen zu beachten gilt und warum es im Sinne der Nachhaltigkeit besser ist, Ableger zu tauschen, als neue Pflanzen im Garten-Center zu kaufen. 

Aus Bamberg weg und hinein in den Regenwald nahm die Amnesty International Hochschulgruppe Zuhörer*innen bei einem virtuellen Vortrag mit Vândria Borari. Sie ist Juristin und Angehörige des indigenen Borari-Volks mitten im brasilianischen Amazonas-Gebiet und kämpft für die Erhaltung der Traditionen ihres Volkes und den Schutz der Lebensräume der indigenen Völker. In einem Vortrag berichtete Vândria Borari von der Bedeutung, die Nachhaltigkeit im Amazonas hat. Sie sprach über sozioökologische Auswirkungen einer rein wirtschaftlich orientierten Umweltpolitik. Lucas Dereti Rahn von der Hochschulgruppe (l.) übersetzte ihren portugiesischen Vortrag.

Durch den Anbau, insbesondere von Soja, in Monokulturen leidet die Umwelt auf vielerlei Art und Weise, wie Vândria Borari berichtet: Etwa durch die Rodung des Regenwaldes verlieren Tier und Mensch ihre Heimat, es entstünden sehr hohe CO2-Emmissionen und es werde auch zu viel Grundwasser für die Bewirtschaftung der Flächen verbraucht. Der Einsatz von Pestiziden, die in vielen anderen Ländern der Welt schon verboten seien, mache sowohl die indigene Bevölkerung als auch die Tiere vor Ort krank. Massenproduktion von Lebensmitteln auf diese Art und Weise werde früher oder später aussterben, so Vândria Borari.  Derzeit hat sie aber keinerlei Hoffnung, dass sich in den kommenden Jahren etwas verändern wird, weil dem vor allem wirtschaftliche und politische Interessen entgegenstehen. Nicht zuletzt seien Aktivist*innen immer wieder Ziele von Angriffen. Erst vor zwei Wochen sind der britische Journalist Dom Phillips und der Indigenenexperte Bruno Pereira spurlos verschwunden. Sie recherchierten für ein Buch über Gewalt gegen Indigene im Amazonas-Gebiet.

Beim Workshop „Catch a Patch" konnten Teilnehmer*innen gemeinsam mit dem Werkstatt-Laden und Second-Hand-Shop „Mode Macht Mut", der in der Luitpoldstraße in Bamberg ansässig ist, ihre eigenen Patches gestalten und damit ihre Kleidung aufpeppen. Das einzige, was mitzubringen war, war Kreativtät und Zeit, um ein eigenes Unikat für T-Shirt oder Hose zu kreieren.

Ziel des NaMo 2022 ist es übrigens auch, dass die Teilnehmer*innen nicht nur die Rolle der „Konsument*innen“ einnehmen, sondern aktiv mitdenken und mitgestalten, erklärt Yelva Larsen. „Außerdem soll der Nachhaltigkeitsmonat zur Vernetzung mit der Stadt Bamberg beitragen und auch Dozierende sind bei der Planung und Umsetzung eingebunden, um nachhaltigkeitsrelevante Themen in die Lehrveranstaltungen zu integrieren und den Nachhaltigkeitsmonat als Präsentationsplattform zu nutzen.“

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich über das Thema Nachhaltigkeit zu informieren oder an Workshops teilzunehmen, findet das vollständige Programm des NaMo 2022, der noch bis Ende Juni andauert, unter: www.uni-bamberg.de/nachhaltigkeit/nawo/namo-2022/veranstaltungen-im-ueberblick 

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