Nach mehreren Jahren Pause hat die Universität Bamberg im August 2026 wieder internationale Studierende zur Sommer-Universität eingeladen. Dr. Monica Fröhlich hat das Format neu konzipiert. Im Interview erzählt sie, warum dafür ein Neustart nötig war, wie 16 Studierende aus Polen und Tschechien die intensiven 17 Tage erlebt haben – und welche Zukunft sie sich für die Sommer-Uni wünscht.
Frau Fröhlich, Sie haben die Sommer-Universität neu konzipiert, nachdem sie einige Jahre nicht stattgefunden hat. Was war der Anlass dafür?
Monica Fröhlich: Die Sommer-Uni, früher hieß sie noch Internationaler Ferienkurs, war für mich immer etwas Besonderes. Persönlich – ich war dort vor etwa 30 Jahren als studentische Tutorin aktiv, später als Literaturdozentin – wie auch institutionell. Ich glaube, sie war ein Angebot mit Ausstrahlung in die ganze Welt. Und zugleich eine Art Recruiting-Instrument, auch wenn man das damals nicht so gesehen und vielleicht auch nicht gebraucht hat.
Nach meinem DAAD-Lektorat im Ausland habe ich ab Herbst 2025 vom DAAD ein projektbezogenes Rückkehrstipendium erhalten und konnte das dank Unterstützung der Universitätsleitung dafür nutzen, das Format Sommer-Uni genauer unter die Lupe zu nehmen. Eine Wiederbelebung der 2022 zum letzten Mal angebotenen Sommer-Uni stand dabei zwar auf der Wunschliste, aber zunächst erschien uns das unrealistisch, denn sie war ja mit guten Gründen eingestellt worden: Der Personaleinsatz für 100 internationale Studierende, die vier Wochen lang in Bamberg unterrichtet werden, war einfach enorm. Und die finanziellen Ressourcen standen auch nicht mehr zur Verfügung.
Mit Dr. Andreas Weihe vom International Office und Prof. Dr. Friedhelm Marx aus der Germanistik haben wir dann aber ein neues Konzept entwickelt, für das wir auch eine Finanzierung vom Bayerischen Hochschulzentrum für Mittel-, Ost- und Südosteuropa (BAYHOST) einwerben konnten. Die Bestandteile sind im Wesentlichen dieselben wie bei der alten Sommer-Uni – Sprachkurs, germanistische Angebote, Kultur –, aber wir haben das Arrangement etwas verändert, das Angebot verkürzt und auf bestimmte Länder fokussiert. Man könnte sagen: Wir haben aus verschiedenen Sprachkursangeboten mit literaturwissenschaftlichem Rahmenthema eine dezidiert germanistische Sommer-Uni mit akademischem Sprachkurs gemacht.

Die diesjährige Sommer-Uni richtete sich an Germanistik-Studierende aus Polen und Tschechien. Warum haben Sie sich für diese Zielgruppe entschieden?
Die Länderauswahl ist maßgeblich an unseren Geldgeber geknüpft. Aber die Konzentrierung auf Länder, die von BAYHOST gefördert werden, hat zugleich den großen Vorteil, dass man ganz ausgezeichnete Germanistik-Studierende anwerben kann, denn in Polen und Tschechien gibt es sehr gute Germanistische Institute und Studiengänge. Mit diesen fachlich und sprachlich starken Studierenden konnten wir ein anspruchsvolles Programm gestalten und ihnen zugleich zeigen, wie spannend und aussichtsreich ein weiterführendes Germanistikstudium in Bamberg, aber auch in Bayreuth oder Würzburg sein kann.
Ein solches neues Format entsteht nicht allein: Wer war an der Konzeption und Umsetzung beteiligt?
Dass wir so schnell einen so starken Pilot umsetzen konnten, lag daran, dass alle früher Beteiligten begeistert wieder mitgemacht haben – aber auch daran, dass wir mit mir ein nahezu vollständiges externes Projektmanagement hatten, das die Beteiligten erheblich entlasten konnte.
Wie früher auch, ist so ein Akademie-Projekt, obwohl deutlich komprimiert, nicht ohne die langjährige Erfahrung des International Office, interessante und passgenau zubereitete fachliche Seminare der Germanistik und die freundliche Unterstützung durch Studierendenwerk, Hausverwaltung, Sekretariate möglich. Beim Themenzuschnitt und dem Sprachniveau haben uns Partnerinnen und Partner aus tschechischen Germanistiken beraten, die wir in Zukunft noch stärker mit einbeziehen möchten. Außerdem haben die Germanistischen Kolleginnen und Kollegen in Bayreuth und Würzburg unser Programm sehr sinnvoll ergänzt. – Es war ein echtes Gesamtkunstwerk.
Jetzt ist die erste Sommer-Uni nach dem neuen Konzept vorbei. Was hat aus Ihrer Sicht besonders gut funktioniert? Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?
Von Bamberger Seite aus war das Zusammenspiel exzellent, und wir hatten ein Traum-Tutorenteam. Das haben die Studierenden gespürt und auch quittiert. Das Programm war sehr dicht und abwechslungsreich, vielleicht etwas zu voll, aber zwei Wochen hält man das aus, und wir wollten den Gästen einfach sooo viel zeigen. Kritische Punkte gab es natürlich auch: Die Unterbringung von 16 Studierenden in vier verschiedenen Wohnheimen war suboptimal. Das Sprachniveau zu unterschiedlich, um so konzentriert inhaltlich zu arbeiten, wie wir uns das eigentlich gewünscht hätten. Mit mehr Vorlauf für die Planung und mehr Zeit für die einzelnen Schritte, vor allem Ausschreibung und Bewerbungsphase, lässt sich vieles noch verbessern.

Welche Rückmeldungen haben Sie von den 16 Studierenden bekommen und gab es einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Tadéaš von der Westböhmischen Universität in Pilsen hat am Ende gesagt, er sei unendlich traurig, jetzt abreisen zu müssen – aber er hätte auch keinen Tag länger so weitermachen können. Ich denke, das ging den meisten so. Die 17 Tage Programm waren unglaublich aufregend, bereichernd, nah und intensiv, aber nach dieser Allround-Verausgabung brauchen alle etwas Ruhe und Zeit für sich, um alles zu verarbeiten.
Für mich bleiben ganz unterschiedliche Situationen: Zusammen auf der Alten Mainbrücke in Würzburg die Sonnenfinsternis durch eine Brille zu betrachten (nachdem wir einen wirklich guten Schoppen genossen hatten). Oder bei 38 Grad in der Villa Concordia mit tschechischen Künstlern Bruder Jakob auf Deutsch und Tschechisch zu singen. Beeindruckt hat mich die Projektpräsentation von einigen der Teilnehmenden am letzten Tag. In der Fremdsprache eine wissenschaftliche Arbeit vorzustellen, ist eine große Leistung.

Wie wird es mit der Germanistischen Sommer-Universität weitergehen?
Es ist ein bisschen früh für Zukunftsplanungen – wir haben noch nicht mal alle Zimmer übergeben. Die Evaluation durch die Studierenden und eine Feedbackrunde mit den Lehrenden muss man auch abwarten.

Immerhin hat Nikolas Djukić, der Geschäftsführer von BAYHOST, der uns auch am Begrüßungsabend die Ehre gegeben hat, schon angedeutet, dass es seitens des Hochschulzentrums Interesse an einer Fortsetzung gibt. Das ist schön, wir wünschen uns ja langfristig dasselbe: studentischen und wissenschaftlichen Austausch in einem Fach, das viel zu geben hat und zugleich durch die Perspektive von außen unendlich viel gewinnt. Aber selbst, wenn wir erneut eine Finanzierung erhielten, müssen auch alle anderen wieder mit im Boot sein wollen und können. – Schaumermal. Zobaczymy!
Vielen Dank für das Gespräch!
