Wo man sonst schwitzende Gesichter bereits vor dem Lauf sah sowie Läuferinnen und Läufer, die sich noch eine letzte Erfrischung holten in einem Innenhof, den die Sommersonne bereits am frühen Vormittag aufgeheizt hatte, war an diesem Oktobervormittag der Himmel grau und wolkenverhangen. Doch Nieselregen und frische 9 Grad konnten der guten Laune keinen Abbruch tun, als der Startschuss fiel zum zwölften Bamberger Uni-Lauf am Sonntag, 18. Oktober 2026, um 10 Uhr.

Nachdem der Lauf im Juni aufgrund der hohen Temperaturen abgesagt worden war, fand er erstmals im Wintersemester, kurz nach Beginn der Vorlesungszeit statt.

Läufe für alle Altersgruppen

561 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen nach 10 km ins Ziel, 82 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen acht und fünfzehn Jahren nach 2 km sowie rund 80 Kinder, die sieben Jahre oder jünger sind, nach 500 Metern. Zusätzlich absolvierten 25 Staffelteams den Uni-Lauf; hier teilten sich jeweils zwei Läuferinnen und Läufer die 10 km auf. Der 10 km Hauptlauf wurde sowohl als Volkslauf als auch als Bayerische Hochschulmeisterschaft über 10 km Straßenlauf sowie als Oberfränkische Meisterschaft über 10 km Straßenlauf ausgetragen. Eingeladen zur Teilnahme hatte das Sportzentrum der Universität Bamberg.

Insgesamt 196 Frauen und 365 Männer zwischen 14 und 78 Jahren bestritten die gesamten 10 km. Los ging es auf dem ERBA-Gelände der Universität Bamberg. Entlang des Main-Donau-Kanals liefen die Athletinnen und Athleten bis zur Buger Spitze. Der Rückweg verlief durch den herbstlichen Hain über die Innenstadt am Kranen und die Konzerthalle zurück zur ERBA.
Die Siegerinnen und Sieger

Die Siegerehrung fand in diesem Jahr witterungsbedingt erstmals im Universitätsgebäude und nicht auf dem Innenhof statt. Prof. Dr. Marco Sahm und Prof. Dr. Stefan Voll ehrten die schnellsten Läuferinnen und Läufer.

Als erster ins Ziel kam Karsten Meier von der LG Braunschweig. Er hatte die 10 km in einer Zeit von 32:45 Minuten absolviert. Damit verpasste er um nur 32 Sekunden den Streckenrekord von Ellhoussaine Fateh aus dem Jahr 2017. Als gesamtschnellste Frau kam Katharina Dupke vom Laufteam Bayern e.V. nach 38:43 Minuten ins Ziel. Mit dieser Zeit gewann sie zugleich die Oberfränkische Meisterschaft bei den Frauen. Bei den Männern sicherte sich Florian Koch vom Laufteam Bayern e.V. mit einer Zeit von 33:50 Minuten den ersten Platz im Rahmen der Oberfränkischen Meisterschaft.

Bei der Bayerischen Hochschulmeisterschaft wurde Simon Kandler (SG Eltmann) von der Universität Bamberg mit einer Zeit von 35:35 Minuten Erster. Schnellste Frau bei der Bayerischen Hochschulmeisterschaft war Helene Krome (LG Bamberg) ebenfalls von der Universität Bamberg mit einer Zeit von 40:14 Minuten. Insgesamt nahmen an der Hochschulmeisterschaft 196 Angehörige von 12 verschiedenen bayerischen Hochschulen teil.


Eine Wertung erfolgt beim Uni-Lauf auch für Mannschaften. Im Rahmen des Volkslaufs gewann bei den Männern das Laufteam Bayern e.V. (3:04:22 Stunden) und bei den Frauen der SC Kemmern (3:50:26 Stunden). Im Rahmen der Bayerischen Hochschulmeisterschaft siegte sowohl bei den Männern das Team der Universität Bamberg (3:10:44 Stunden) als auch bei den Frauen (3:42:55 Stunden).
Schnellste Bamberger Studentin zieht positive Bilanz

Der besondere Charakter des Uni-Laufs zeigt sich auch an der Wertung des schnellsten Bamberger Studenten und der schnellsten Bamberger Studentin. Schnellster Student im Ziel war Simon Kandler, schnellste Studentin Helene Krome. Sie studiert in Bamberg im zweiten Semester Betriebswirtschaftslehre. „Es ist super, dass der Lauf in den Herbst verschoben wurde, denn im Sommer wäre es wegen der Hitze zu belastend gewesen“, so die Studentin, die bereits in den Vorjahren beim Uni-Lauf gestartet war und in diesem Jahr gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester angetreten ist. Der Lauf habe ihr viel Spaß gemacht, nicht zuletzt, weil so viele Zuschauerinnen und Zuschauer sie angefeuert hätten. All das motiviere sie zu einer erneuten Teilnahme im kommenden Jahr.
Junge Lauftalente erneut erfolgreich

Um Freude an der Bewegung geht es vor allem auch bei den Kinder- und Jugendläufen. Bereits um 9.30 Uhr waren nach den Bambini, deren Zeiten nicht erhoben werden, die Acht- bis Fünfzehnjährigen gestartet. Die 2 km auf der herbstlichen ERBA-Halbinsel absolvierten bei den Jungen am schnellsten Justus Hedrich von der LG Bamberg mit 6:31 Minuten und bei den Mädchen Milana Dütsch vom SC Kemmern mit 7:34 Minuten. Beide hatten bereits im vergangenen Jahr den Kinder- und Jugendlauf gewonnen und in diesem Jahr ihre jeweilige Zeit leicht verbessert.

Zwischen Familienalltag und Laufsport
Nicht nur bei Kindern und Jugendlichen ist der Uni-Lauf beliebt, unter den Läuferinnen und Läufern befinden sich auch zahlreiche Eltern. Sie nutzen den Lauf für eine kleine Auszeit und um sich selbst etwas Gutes zu tun. Darunter auch Isabell Beringhoff. Sie ist Mutter von drei Kindern, darunter knapp zwei Jahre alten Zwillingen. Der Uni-Lauf ist die erste Laufveranstaltung, an der sie seit der Geburt teilgenommen hat und dass sie den Lauf genossen hat, sieht man ihr an. „Es war perfekt. Es hätte für mich noch ein paar Grad kälter sein können, es hätte regnen können. Ich bin kein Sommerläufer, deshalb war ich froh, dass der Uni-Lauf in den Oktober verschoben wurde“, so die dreifache Mutter, die nach 1:02:57 Stunden ins Ziel kam. Sollte der Uni-Lauf auch künftig in der kälteren Jahreshälfte stattfinden, will sie auf jeden Fall wieder dabei sein. Doch die Zeit zum Trainieren zu finden, sei nicht immer so einfach. „Man muss Abstriche machen“, sagt Isabell Beringhoff. Morgens, nachdem sie ihre Kinder in den Kindergarten gebracht hat, läuft sie oder abends auf dem Laufband, wenn die Kinder schlafen. Am Uni-Lauf konnte sie teilnehmen, weil ihr Mann die Kinder betreut hat.
Dem Uni-Lauf seit Studienzeiten verbunden
Auch Ilona Hieronymus musste erst die Betreuung ihrer Tochter sicherstellen, um beim Uni-Lauf starten zu können. Die Absolventin der Universität Bamberg war erstmals bereits 2014 beim Uni-Lauf an den Start gegangen, damals noch als Studentin des Mittelschullehramts. Mittlerweile arbeitet sie als Lehrerin und hat weniger Zeit zum Trainieren. Im Vergleich zum Vorjahr konnte sie dennoch ihre Zeit verbessern, sie kam nach 1:05:50 Stunden ins Ziel, und macht dafür die niedrigeren Temperaturen verantwortlich. „Ich würde mir wünschen, dass es beim Herbst bleibt. Das ist viel mehr meine Temperatur zum Laufen“, sagt Ilona Hieronymus. Neben vielen Läuferinnen und Läufern, die die Austragung im Herbst lobten, gab es jedoch auch Stimmen, die den sommerlichen Charakter des Uni-Laufs vermissten. Sorgte in den vorhergehenden Jahren eine Gartendusche im Innenhof der ERBA für erwünschte Abkühlung, ergab sich nun mittels grauer Tropfen vom Himmel und so manch matschiger Pfütze im Hain unerwünschte Erfrischung.

Abschied von Uni-Lauf-Mitbegründer László Vaskovics

Doch nicht nur die Austragung im Herbst war in diesem Jahr ein Novum, erstmals fand der Uni-Lauf ohne seinen Mitbegründer und geistigen Vater Prof. Dr. László Vaskovics statt. Der emeritierte Professor der Universität Bamberg war am 19. September 2026 im Alter von 90 Jahren verstorben. Vor der Siegerehrung wurde seiner gedacht, der Trompeter Christian Schmid spielte das „Feierabendlied“ von Anton Günther. László Vaskovics hatte den Uni-Lauf 2013 gemeinsam mit Prof. Dr. Stefan Voll, Kurt Herrmann, Rüdiger Hecht und Johanne Scharnick begründet. Bis zu seinem Tod war er in die Organisation des Laufs, der ihm ein Herzensanliegen war, eingebunden. Vaskovics, ein passionierter Läufer, wollte seine Begeisterung für das Laufen in die Universität tragen und zugleich Universität und Stadt einander näherbringen. Dies sei ihm auch gelungen, so Stefan Voll. „Er war die Triebfeder des Laufs über viele Jahre hinweg“, so der Leiter des Sportzentrums. Egal, ob es um die Ansprache von Sponsorinnen und Sponsoren oder das Verteilen der kultigen blauen Handtücher an die Finisherinnen und Finisher ging, László Vaskovics war stets mit vollem Einsatz dabei. Auch wenn es um die eigene Teilnahme ging: Bis ins hohe Alter war der emeritierte Professor selbst bei dem von ihm initiierten Lauf angetreten. Bei der Premiere 2013 sowie in den Jahren 2015, 2017 und 2018 hatte er die 10 km absolviert, und dies zu beachtlichen Zeiten. 2013 etwa benötigte er im Alter von 77 Jahren 54:45 Minuten, 2018 im Alter von 82 Jahren 1:04:20 Stunden. Nicht verwunderlich, dass Stefan Voll László Vaskovics, der seit jungen Jahren gelaufen war, als leuchtendes Beispiel dafür pries, wie man bis ins hohe Alter sowohl geistig als auch körperlich fit und aktiv durch Sport bleiben kann.

Uni-Lauf im Sinne seines Gründers fortführen

Johanne Scharnick hat 14 Jahre lang mit László Vaskovics und dem übrigen Organisationsteam den Uni-Lauf durchgeführt. Dass sie den emeritierten Professor vermisst, ist ihr an diesem Sonntag anzusehen, auch wenn sie ihre Aufgaben, zu denen unter anderem die Startnummernausgabe und die Aufnahme der Nachmeldungen zählen, gewohnt routiniert verrichtet. „Ich habe den Eindruck, dass sich der Uni-Lauf gut etabliert hat und dass wir auch keinen Nachteil hatten durch die Verschiebung“, so Johanne Scharnicks Fazit. Zwar sei es etwas gewöhnungsbedürftig gewesen, in der Dunkelheit ab 6.30 Uhr am Morgen aufbauen zu müssen, doch könne sie sich eine Fortführung des Uni-Laufs im Herbst gut vorstellen. „Es ist in Lászlós Sinne, wenn wir den Uni-Lauf fröhlich fortsetzen“, so die Sekretärin am Lehrstuhl für Musikpädagogik und Musikdidaktik, die sich auch darüber freut, dass die Enkeltochter des verstorbenen Gründers mitgelaufen ist. Marco Sahm, verantwortlich für die Gesamtorganisation des Uni-Laufs, ist mit der Premiere im Oktober ebenfalls zufrieden. Ob der Lauf künftig immer im Herbst ausgetragen werde, darüber werde man in den kommenden Wochen entscheiden.
Die Ergebnisse des Uni-Laufs 2026 finden Sie hier.
