Rückenwind für die digitale Bildung in Oberfranken

Forschende der Universität Bamberg entwickeln im Verbund frei verfügbare Fortbildungen für zeitgemäßes Lehren und Lernen

Menschen mit VR-Brillen in einem Seminarraum
  • Forschung
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  • 28.04.2026
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  • Gastbeitrag
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  • Lesedauer: 6 Minuten

Bund und Länder werden mit dem Digitalpakt 2.0 bis 2030 fünf Milliarden Euro in die Digitalisierung von Schulen investieren. Doch gute digitale Bildung braucht mehr als neue Geräte. Forschende der Universität Bamberg zeigen, worauf es dabei ankommt. Im Kompetenzverbund „lernen:digital“ haben sie gemeinsam mit anderen Universitäten, Schulen und Bildungseinrichtungen praxisnahe Fortbildungen, Konzepte und Lehr-Lern-Umgebungen entwickelt, evaluiert und in vielen Bundesländern erprobt und verbreitet. Diese unterstützen Lehrkräfte dabei, digitale Medien und Bildungstechnologien gezielt und fachspezifisch im Unterricht einzusetzen. Der Kompetenzverbund „lernen:digital“ war ein bundesweites Forschungsnetzwerk zur digitalen Transformation von Schule und Lehrkräftebildung. In vier Kompetenzzentren (MINT, Sprachen/Gesellschaft/Wirtschaft, Musik/Kunst/Sport sowie Schulentwicklung) wurden über 200 Projekte gebündelt. Im März 2026 wurde das Vorhaben abgeschlossen. Viele der entwickelten Fortbildungen stehen Schulen kostenlos in Online- und Präsenzformaten zur Verfügung.

Praxisnahe Angebote für viele Fächer und Schulformen

Die fünf Bamberger Projektverbünde setzten unterschiedliche Schwerpunkte, verfolgten jedoch ein gemeinsames Ziel: Lehrkräfte dabei zu unterstützen, digitalen Unterricht sinnvoll und nachhaltig zu gestalten. 

Der größte Projektverbund entwickelte Fortbildungen für Lehrkräfte in sprachlichen, gesellschafts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern. Dabei entstanden praxisnahe Module zu Themen wie „KI im Literaturunterricht“, „Digitale Medien im sprachsensiblen Unterricht“ oder „TikTok, Insta und YouTube: Influencer & Grundschulkinder“. „Die Diskussion über Digitalisierung in Schulen wird oft zu sehr aus einer technischen und zu wenig aus einer fachdidaktischen Perspektive geführt. Denn die digitale Transformation unserer Gesellschaft verändert die Schulfächer, ihre Gegenstände, Methoden und Praktiken. Ein zeitgemäßer Fachunterricht muss darauf reagieren. Deshalb ist es wichtig, Lehrkräfte in die Lage zu versetzen, die Digitalisierung aus ihren Fächern heraus zu gestalten“, sagt Jörn Brüggemann, Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur. „Unsere Fortbildungen unterstützen die Lehrkräfte bei der Vermittlung von digitalem Wissen im Fachunterricht, aber auch bei der Förderung fachspezifischer digitaler Kompetenzen und vor allem beim Erwerb einer selbst- und medienreflexiven Haltung.“ Professor Brüggemann leitete einen der Projektverbünde und ist zudem Sprecher des bundesweiten Kompetenzzentrums Sprachen/Gesellschaft/Wirtschaft. 

Ein weiterer Projektverbund richtete sich vor allem an Leitungspersonen in Schulen und befasste sich mit der digitalen Kommunikation und Zusammenarbeit an Schulen: Hier wurden Trainings für Beratungssituationen in virtuellen Räumen, einen Selbstlernkurs zur Gestaltung digitaler Elterngespräche sowie Austausch- und Fortbildungsformate für die Schulseelsorge entwickelt. „Gerade in Zeiten digitaler Transformationen bedarf es zielgruppenorientierter Beratungsangebote an Schulen. Mit unserem Projekt gehen wir einen Schritt weiter und zeigen, wie Beratung auch im virtuellen Raum erfolgreich funktioniert.“ betont Projektleiterin Annette Scheunpflug. 

Im Bereich der beruflichen Bildung wurde eine neuartiges Fortbildungskonzept entwickelt, welches das Wechselspiel von Diagnose digitaler Kompetenzen von Lehrkräften und passgenauer Mikro-Fortbildungen betont. Zudem wurde eine Onlineinstrument zur nutzerorientierten und evidenzbasierten Beschreibung digitaler Kompetenz entwickelt. Grundlage ist DigCompEdu Bavaria, der europäische Referenzrahmen zur Beschreibung digitaler Kompetenzen von Lehrkräften, der für Bayern angepasst wurde. Das Onlineinstrument ist die Basis für Mikro-Fortbildungen unter anderem zur Erstellung von Unterrichtmaterialien mit künstlicher Intelligenz: „Lehrkräfte brauchen passgenaue Fortbildungen. Mit unseren Onlineinstrument können sie zuverlässig ihre digitale Kompetenz auf Basis des DigCompEdu Bavaria messen und basierend auf den Ergebnissen Fortbildungen vor allem mit Schwerpunkt Künstlicher Intelligenz wählen.“ hält Projektleiter Karl-Heinz Gerholz fest. 

Ein weiterer Projektverbund richtete den Blick auf die kulturelle, künstlerische, musikalische, poetische und sportliche Bildung. Hier entstanden unter anderem Fortbildungen zur Förderung eines digital und fachlich souveränen Umgangs mit multimedialen und multimodalen Texten im Deutschunterricht sowie zur Reflexion des eigenen Medienumgangs im Berufsalltag. 

Die Rolle der Schule als demokratische Institution in der digitalisierten Welt stand im Fokus eines weiteren Projektverbunds. Das Bamberger Teilprojekt beschäftigte sich mit Demokratielernen in internationalen Schulpartnerschaften und entwickelte Handreichungen und Selbstlernkurse für Lehrkräfte, die digitale Kooperationen zwischen Schulen weltweit gestalten möchten. Dazu gehörte unter anderem eine Online-Veranstaltungsreihe mit Teilnehmenden aus 19 Ländern.

Erfolgsfaktor Zusammenarbeit

Für die Entwicklung von Fortbildungen zu digitalem Lehren und Lernen war die Zusammenarbeit mit Lehrkräften, Schulen sowie der Regierung Oberfranken und der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen von hoher Bedeutung. „Die gemeinsame Bearbeitung der technologischen und pädagogisch-didaktischen Entwicklung durch Wissenschaft und schulbezogener Praxis war ein Schlüssel zum Erfolg und dabei spielte die Koordination der Zusammenarbeit durch das Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung Bamberg (ZLB) eine zentrale Rolle für die Entwicklung passgenauer Angebote“ unterstreicht Theresa Summer. Ziel aller Projekte ist es, Lehrkräfte dabei zu unterstützen, qualitativ hochwertigen digital-gestützten Unterricht langfristig im Schulalltag zu verankern und zugleich eine reflektierte digitale Kompetenz bei Lehrenden und Lernenden zu fördern.

Universität Bamberg stärkt Profil in der Lehrkräftebildung 

Mit der Beteiligung am Kompetenzverbund „lernen:digital“ hat die Universität Bamberg ihre Stärken in der Lehrkräftebildung und der Forschung zur digitalen Bildung weiter ausgebaut. Dabei waren Bamberger Expertinnen und Experten von zehn Lehrstühlen und Professuren beteiligt – von den Bildungswissenschaften über die Fachdidaktiken bis hin zur Wirtschaftspädagogik und Informatik. Sie warben über vier Millionen Euro Drittmittel ein und schufen so mehr als 20 Projektstellen für wissenschaftliche Mitarbeitende. Finanziert wurde „lernen:digital“ durch die Europäische Union – NextGenerationEU und gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Ergebnisse und Netzwerke bilden eine wichtige Grundlage für zukünftige Forschung im Bereich der Lehrkräftebildung und neue Projekte zur Digitalisierung im Bildungswesen an der Universität Bamberg.

Zur Webseite des Kompetenzverbunds „lernen:digital“: https://lernen.digital/ 

Weitere Informationen zu den Projektverbünden, an denen die Universität Bamberg beteiligt war, unter: https://www.uni-bamberg.de/zlb/forschung-projekte/forschung-projektekompetenzverbund-lernendigital/ 

Weitere Informationen zum Portal Digitale Souveränität: https://digitale-souveränität.online/index/ 

Eine Übersicht zu den an der Universität Bamberg entwickelten Fortbildungen unter: https://www.uni-bamberg.de/zlb/forschung-projekte/forschung-projektekompetenzverbund-lernendigital/fortbildungen/ 

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Seite 175929, aktualisiert 28.04.2026