„Am wichtigsten sind immer die Dinge, die zwischen den Aufgaben passieren“

Anna und Felix erzählen von ihren Erfahrungen aus der Fachschaft Humanwissenschaften

Die Studierenden Anna und Felix liegen auf einer Picknickdecke
  • Menschen
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  • 22.12.2022
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  • Stephanie Fröba
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  • Lesedauer: 6 Minuten

Mittlerweile sind zwei Monate vergangen, seitdem wir Anna und Felix von der Fachschaft Humanwissenschaften (Huwi) auf dem Markusgelände getroffen haben. Schaut man mitten im Dezembergrau auf die Fotos, erinnert man sich gern an den sonnigen Oktober, in dem Interviews draußen vor der Cafeteria und Entspannen auf der Picknickdecke möglich waren. Und für die beiden Fachschaftsmitglieder war es wohl eine der entspanntesten Phasen ihrer Fachschaftszeit, weil sie gerade frisch ihre Ämter als Fachschaftssprecher*innen an die nächste Generation abgegeben hatten und die To-Do-Listen ein wenig schrumpften. Anna und Felix konnten also gelassen aus dem Vollen schöpfen, um uns von ihrem Engagement in der Fachschaft Huwi und ihren ganz persönlichen Erfahrungen zu erzählen…

„Voll“ und „viel“ sind gute Stichwörter, um einen Anfang mit Felix zu machen. Er studiert quasi doppelt – seit elf Semestern Psychologie (davon vier im Master) und seit zwei Semestern zusätzlich Angewandte Informatik. In der Fachschaft ist er in verschiedenen Arbeitskreisen aktiv, organisiert die berüchtigten Huwi-Brettspielabende mit, macht Gremienarbeit, managt im Hintergrund, begleitet die Berufungskommission Gesundheitspsychologie, vertritt die Fakultät Huwi von Seiten der Studierenden in der zentralen Studienzuschusskommission und die Liste geht weiter. In seiner übrigen Freizeit geht er gerne Radfahren oder Klettern in der Fränkischen oder macht Pen&Paper-Rollenspiele. „Ich schlaf recht wenig, weil ich so viel mache,“ gibt Felix zu. Und seine Ex-Sprecher*innen-Kollegin und Psychologie-Kommilitonin Anna zögert nicht, ihn den „Mann für alles“ zu betiteln – gefragt nach der Rolle, die sie ihm für die Fachschaft Huwi zuschreiben würde: „Felix übernimmt viele Aufgaben, weil er sich schon so sehr in die Gremienarbeit eingearbeitet hat, dass er sich einfach gut auskennt. Immer wenn die Frage aufkommt: Ja, und wer macht das dann jetzt, kommt Felix und sagt: ich kann das schon machen.“

Verbunden sein: „Ein Großteil dessen, was dieses Studium hier ausmacht.“

Mit einem Rollen-Begriff für Anna tut sich Felix erstmal schwer. Aber natürlich, weiß er, wofür sie in der Fachschaft steht und was ihre Stärke ist: „Sie ist es, die am ehesten das soziale Gefüge der Fachschaft zusammenhält. Sie organisiert mal ne gemeinsame Schnitzeljagd oder sorgt im Hintergrund dafür, dass jemand ne Dankeskarte bekommt,“ nennt Felix als Beispiele für Anna’s besonderen Wert in der Fachschaft und ergänzt: „Man vergisst so oft, wie wichtig solche Dinge sind.“ Annas verbindender Charakter war gerade auch in der Corona-Zeit sehr wertvoll. Als alles nur noch online stattfinden durfte, war es eine große Herausforderung, die Vernetzung der Fachschaft und das ganze Fachschaftsleben überhaupt lebendig zu halten. „Dass wir das als Sprecher*innen-Team während der Corona-Hochphase so gut gewuppt haben, dann aber auch alles wieder erfolgreich in Präsenz zurückführen konnten, ist für mich schon ein Highlight gewesen,“ erzählt Anna rückblickend. Für sie hat das Wirken der Fachschaft nämlich eine nicht wegzudenkende Funktion im Studium: „Durch die von den Fachschaften organisierten Sommerfeste, Weihnachtsfeiern oder Aktionen bei den Erstsemestereinführungstagen ist der Spaßfaktor gegeben. Ich glaube, das ist echt ein Großteil dessen, was dieses Studium hier ausmacht, dass man diese Veranstaltungen hat und dabei Leute kennenlernen kann… Und dadurch die Uni nicht nur ein Ort ist, wo man arbeiten und lernen muss, sondern auch, wo man Spaß haben und coole Feste feiern kann. Der Effekt schwingt jeden Tag ein bisschen mit. Es ist nämlich einfach megaschön, über den Campus zu laufen und an seiner Uni so viele Leute zu kennen!“

Felix stimmt seiner Kommilitonin da vollkommen zu: “Am wichtigsten sind immer die Dinge, die zwischen den Aufgaben passieren. Wenn man mal nach einer Sitzung bis zum nächsten Sonnenaufgang im Fachschaftszimmer sitzt, weil man sich mit den Leuten so gut versteht… – das Zwischenmenschliche ist einfach das Beste! Ich hab‘ ja unter anderem meine Freundin der Fachschaft zu verdanken.“

Wirkung erzielen motiviert und stärkt die Persönlichkeit

Neben der sozialen Komponente gibt das Fachschaftsengagement den beiden die Möglichkeit, Uni und Studium aktiv mitzugestalten. Vor allem in der Gremienarbeit trifft man als Vertreter*in der Studierendenschaft Entscheidungen mit, zum Beispiel welcher Professor an die kommt, welche Lehrstühle Gelder kriegen und vieles mehr. Aber auch als erste Anlaufstelle für Kritik oder bei Problemen, übernimmt man Verantwortung und erzielt Konsequenzen. Im Fall einer Diskriminierung durch Dozierende zum Beispiel bewirkt die Fachschaft, dass der- oder diejenige zur Rechenschaft gezogen wird und Lösungen gesucht werden. Diese Wirkkraft wird mit der Zeit für die beiden zweierlei: Antrieb weiterzumachen und Prägung für die Zukunft. „Ich habe hier immer wieder gelernt, mit ganz unterschiedlichen Leuten zusammenzuarbeiten, so dass am Ende dabei was rauskommt. Und ich nehme eine gewisse Freude an Struktur und Engagement mit,“ resümiert Anna für sich. Felix habe in der Fachschaftszeit intensivieren können, für sich einzustehen und seine Meinung zu vertrete: „Und trotzdem habe ich gelernt, dass es manchmal besser ist, die Klappe zu halten. Das konnte ich vorher definitiv noch nicht. Manchmal – so weiß ich jetzt – ist es besser, seine Energie anders einzusetzen.“

Letzte Worte vor dem „Klappe halten“

Apropos „Klappe halten“: Anna und Felix betonen, dass nicht jede*r in der Fachschaft Huwi „immer vorne stehen und jeden kennen“ muss oder sich lautstark in dem Ausmaß engagieren muss, wie das im Beispiel der beiden der Fall ist. Es braucht auch stille Leute im Hintergrund und viele unterschiedliche Perspektiven. „Jede*r bringt sich in der Fachschaft ein, wie und wieviel er will. Es soll bitte jede*r kommen“, verkündet Anna abschließend als entschlossene Einladung an alle Studis der Fakultät Humanwissenschaften.

Bevor Felix am Ende unseres Gesprächs am Markusgelände dann auch gekonnt die Klappe halten darf, bleibt er noch zwei Antworten schuldig. Auf unsere Frage nach drei beschreibenden Worten für die Fachschaft Huwi, die wir im Rahmen dieser Porträtreihe entsprechend allen Interviewpartner*innen stellen, nennt er Gemeinschaft, Vertretung und Spaß. Und die Rolle von seiner Kollegin Anna? „Puh, nicht so einfach,“ entgegnet Felix und entscheidet sich aber letztlich doch für die „Fachschaftsmuddi?!?“, während Anna ihm lachend und (not) mutti-like Süßigkeiten zuwirft.

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Seite 155458, aktualisiert 18.01.2023