Stefanie Lorenzen ist neue Professorin für evangelische Religionspädagogik

In ihren Lehrveranstaltungen kommt sie vor allen Dingen gerne mit den Studierenden ins Gespräch.

Portrait Stefanie Lorenzen
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  • 12.05.2022
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  • Hannah Fischer
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  • Lesedauer: 7 Minuten

Prof. Dr. Stefanie Lorenzen hat seit dem Sommersemester 2022 den Lehrstuhl für Religionspädagogik am Institut für Evangelische Theologie inne. Nach vielen Jahren fern der Heimat kehrt sie damit zurück nach Franken. Zuletzt war Stefanie Lorenzen Dozentin an der Universität Bern. Im Interview erzählt sie, was sie in der kommenden Zeit in Sachen Forschung plant, welcher Weg sie nach Bamberg geführt hat und warum man heute ihr Fach studieren sollte. So viel sei schon verraten: Ein Theologiestudium hat für ganz unterschiedliche Interessen etwas zu bieten.

Liebe Frau Lorenzen, Sie sind jetzt Professorin hier in Bamberg. Wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte?

Stefanie Lorenzen: Einer meiner Forschungsschwerpunkte beschäftigt sich mit der Frage nach Positionierungen und Entscheidungen in religionspädagogischen und -didaktischen Kontexten. In meiner Habilitation habe ich mich etwa der Frage gewidmet, wie sich junge Erwachsene in biographischen Erzählungen zu Religion positionieren. Also welche Situationen sie erinnern, in denen sich etwas über Religion für sie erschlossen hat. Diesen Schwerpunkt möchte ich hier in Bamberg weiter ausbauen. Ein weiterer Teil meiner Forschung beschäftigt sich mit empirischer Forschung zu Religiosität, religionsbezogenen Vorstellungen und religiöser Sozialisation von Kindern und Jugendlichen. Derzeit bin ich an einem Projekt mit Kolleg*innen genau zu diesem Thema beteiligt. 

Können Sie mehr zu diesem Projekt erzählen?

Im Projekt interviewen wir Kinder zu ihren religionsbezogenen Vorstellungen, aber auch zu ihrer religiösen Sozialisation. Wir fragen etwa: Was ist dir in deinem Leben wichtig? Denkst du manchmal über den Tod nach? Woher hast du das Wissen, das du über Religion hast? Wen kennst du, der anders über Religion denkt als du? Oder auch: Wie stellst du dir Gott vor? Ihr Bild von Gott dürfen die Kinder gestalterisch mit verschiedenen Materialien darstellen. Die Ergebnisse der Studie werden wohl Ende 2023 vorliegen. Ein weiteres Projekt, an dem ich beteiligt bin, beschäftigt sich mit Erfahrungen im kirchlichen Unterricht in der Schweiz. Das Projekt ist wiederum Teil einer größeren Studie zu Konfirmandenarbeit. 

Und was haben Sie in Bamberg geplant?

Ein Punkt, der mich sehr interessiert, ist interreligiöses Lernen. Deshalb finde ich in Bamberg das Zentrum für Interreligiöse Studien ganz toll. Bisher war noch nicht die Zeit, mich intensiv zu vernetzen, aber das möchte ich angehen, wenn ich mich in Bamberg eingefunden habe. Schon jetzt versuche ich, die Dimension des Interreligiösen immer in meine Lehrveranstaltungen einfließen zu lassen, weil ich denke, dass das in Zukunft für den Religionsunterricht außerordentlich wichtig sein wird. Außerdem steht Bamberg für die konfessionelle Kooperation, sowohl auf Uni-Ebene als auch mit Perspektive auf den Religionsunterricht an der Schule. Hier möchte ich in Zusammenarbeit mit meinem katholischen Kollegen Professor Konstantin Lindner anknüpfen.

Apropos Lehre: Was liegt Ihnen hier besonders am Herzen – insbesondere didaktisch?

Mit Blick auf meine Lehrveranstaltungen ist es mir wichtig, diese so interaktiv wie möglich zu gestalten, sodass die Studierenden untereinander, aber auch mit mir ins Gespräch kommen und es die Gelegenheit zu Diskussion gibt. Dann macht mir die Lehre persönlich am meisten Spaß. Außerdem möchte ich versuchen, die Relevanz dessen herauszuarbeiten, was ich lehre: zum einen für die spätere schulische Praxis, die vermutlich die meisten Studierenden in meinen Kursen betreffen wird, zum anderen möchte ich den Blick auch auf die persönliche Ebene richten. Denn viele der Fragen, die wir bearbeiten, haben etwas mit persönlichen oder gesellschaftlichen Einstellungen zu tun.

Und was möchten Sie den Studierenden auf inhaltlicher Ebene mitgeben?

Die Dinge, die mir auf der inhaltlichen Ebene besonders wichtig sind, hängen mit meinen Forschungsschwerpunkten zusammen. Ich würde den Studierenden gerne mitgeben, dass die Inhalte im Religionsunterricht eine komplexe Tiefendimension haben, die man sich selbst und den Schülerinnen und Schülern zumindest teilweise erschließen sollte – auch wenn man diese Komplexität nicht „auflösen“ kann. Erst auf dieser Grundlage werden die Inhalte kognitiv spannend, kontrovers und damit relevant. Erst dann kann man sie offen diskutieren, ohne zu vereinnahmen. 

Warum sollte man aus Ihrer Sicht heute Ihr Fach studieren?

Das Theologiestudium hat meiner Meinung nach wahnsinnig viel zu bieten, weil es so breit gefächert ist: Einerseits beschäftigt man sich beispielsweise in der biblischen Exegese mit Texten und ihrer Interpretation. In der Kirchengeschichte können sich historisch Interessierte wiederfinden. In der Ethik und Dogmatik geht es um gesellschaftliche, theologische bis hin zu philosophischen Fragen. Andererseits haben wir mit der Praktischen Theologie auch etwas für Menschen dabei, die sich auf theoretische Art und Weise mit der religiösen Praxis beschäftigen möchten. Außerdem ist das Theologiestudium anregend für die persönliche Entwicklung, weil es sich mit Fragen auseinandersetzt, die für die Studierenden und ihre eigene Haltung relevant sein können. Mit Blick auf das Ziel des Religionslehrers oder der Religionslehrerin möchte ich festhalten: Wir brauchen gute Lehrer*innen an den Schulen, die die aktuelle Relevanz des Phänomens Religion vermitteln können. Nicht zuletzt ist es auch ein schönes Schulfach, weil man eine besonders gute Möglichkeit hat, mit den Schüler*innen ins Gespräch zu kommen.

Welcher Weg hat Sie nach Bamberg geführt?

Ich komme eigentlich aus der Würzburger Gegend, bin dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Anschließend habe ich in Heidelberg die Fächer Evangelische Theologie, Germanistik und im Nebenfach Spanisch auf Lehramt für Gymnasien studiert. Ich habe nicht direkt in der Religionspädagogik weitergemacht, sondern in der biblischen Theologie promoviert – ebenfalls in Heidelberg. Gemeinsam mit meinem Mann bin ich im Anschluss nach Saarbrücken gezogen, um dort das Referendariat für Lehramt an Gymnasien mit den Fächern Deutsch und Religion zu machen. Über die Praxisbegegnung im Referendariat habe ich zur Religionspädagogik als Wissenschaft gefunden und als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Religionspädagogik an der Universität des Saarlandes gearbeitet. 2016 kam das Angebot, als Dozentin für Religionspädagogik an die Theologische Fakultät der Universität Bern zu gehen. In der Zeit habe ich meine Habilitation fertiggestellt. Die Stellenausschreibung in Bamberg kam genau richtig und ich freue mich, wieder nach Franken zurückzukommen. Gerade pendle ich noch aus Saarbrücken hier her, aber im Sommer will ich mit meiner Familie in die Nähe von Bamberg ziehen. 

Vielen Dank für das Interview!

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