Als Nachwuchsforscherin zwischen Nobelpreisträgerinnen und -trägern

Natalie Daßler von der Universität Bamberg war beim 75. Lindauer Nobelpreisträgertreffen dabei

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  • 21.07.2026
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  • Hannah Fischer
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  • Lesedauer: 4 Minuten

Künstliche Intelligenz, Quantenphysik, metallorganische Gerüstverbindungen als potentielle CO2-Speicher, Stammzellforschung oder die Zukunft der Medizin – um diese und viele weitere Themen drehte sich Ende Juni die 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung. Rund 70 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger diskutierten dort mit über 600 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus 88 Ländern über aktuelle Forschung und globale Herausforderungen. Mitten unter ihnen: Diplomrestauratorin Natalie Daßler vom Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) der Universität Bamberg. Natalie Daßler studierte nach ihrem Abschluss in der Konservierung und Restaurierung  in Bamberg den Masterstudiengang Denkmalpflege und ist derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Forensische Restaurierungswissenschaft organischer Polymere von Prof. Dr. Marianne Tauber beschäftigt. 

„Es war eine krasse Erfahrung“, sagt Natalie Daßler rückblickend. Schon bei der Eröffnung wurde deutlich, welchen Stellenwert die Tagung hat: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete das Jubiläumstreffen vor zahlreichen internationalen Gästen und hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft. Anschließend folgte eine Woche mit einem eng getakteten Programm – von morgens bis spät abends wechselten sich Vorträge, Podiumsdiskussionen, Workshops und Networking-Formate ab. Dass Natalie Daßler einmal zwischen Physik-, Chemie- und Medizin-Nobelpreisträgern sitzen würde, hätte sie selbst bis vor Kurzem nicht erwartet.

Ein anspruchsvoller Auswahlprozess

Der Weg nach Lindau führt über ein mehrstufiges Auswahlverfahren: Zunächst werden die Bewerberinnen und Bewerber durch ihre jeweilige Universität vorgeschlagen. Nach der Annahme reichen sie ihren wissenschaftlichen Werdegang ein – von Publikationen und Konferenzbeiträgen über Forschungsinteressen und Motivation bis hin zu Auszeichnungen und Lehrtätigkeiten. Hinzu kommen mindestens zwei Empfehlungsschreiben. Die Universität Bamberg darf jedes Jahr bis zu drei Nachwuchswissenschaftlerinnen oder -wissenschaftler für das Auswahlverfahren nominieren. Erst im März 2026 stand fest, wer tatsächlich eine Einladung erhält.

Umso größer war für Natalie Daßler die Überraschung, als die Zusage kam: „Ich habe mich zunächst sogar gefragt, warum ich ausgewählt wurde“, erzählt sie. Schließlich bewegt sie sich mit ihrer Forschung an einer Schnittstelle, die auf den ersten Blick kaum zu dem Themenspektrum der diesjährigen Nobelpreisträgertagung zu passen schien. Die studierte Wandmalereirestauratorin untersucht im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projektes schwermetallhaltige Schadstoffe in Baudenkmälern und entwickelt Methoden, um arsen-, blei- oder quecksilberhaltige Materialien möglichst zerstörungsfrei nachzuweisen. Zudem möchte sie Handlungsempfehlungen für den sicheren Umgang mit belasteten historischen Bauteilen und Raumausstattungen entwickeln. „Klar beschäftige ich mich dabei auch mit Chemie, aber ich habe das nie als Fach studiert“, sagt sie.

Im Austausch mit der Welt

Bei Natalie Daßler entwickelte sich genau das, wofür die Lindauer Nobelpreisträgertagungen seit 75 Jahren stehen: Begegnungen über Fach- und Ländergrenzen hinweg. Zwischen Vorträgen, Science Walks, Laureate Lunches und Diskussionsrunden kam Natalie Daßler mit Forschenden aus aller Welt ins Gespräch, tauschte Visitenkarten aus und knüpfte Kontakte, die über das internationale Alumni-Netzwerk weiterbestehen werden.

Die Menschen hinter den Nobelpreisen

Besonders beeindruckend waren für sie die Begegnungen mit den Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträgern. Im Vorfeld hatte sie Persönlichkeiten erwartet, die durch ihre wissenschaftlichen Erfolge kaum erreichbar wirken. Das Gegenteil war der Fall. „Am Ende sind das einfach Menschen, denen Forschung unglaublich wichtig ist“, sagt sie. Viele nahmen sich Zeit für Fragen und sprachen überraschend offen über ihre eigenen Karrieren – einschließlich der Rückschläge.

So berichtete die Nobelpreisträgerin Katalin Karikó eindrucksvoll von ihrem langen Weg bis zur Entwicklung der mRNA-Technologie. Jahrzehntelang musste sie Rückschläge hinnehmen, bevor sie für ihre Forschung schließlich den Nobelpreis erhielt. Für Natalie Daßler war das eine der wichtigsten Erkenntnisse der Woche: Wissenschaftliche Karrieren verlaufen selten geradlinig.

Ratschläge fürs Wissenschaftsleben

Ein weiteres Thema zog sich durch viele Gespräche wie ein roter Faden: Niemand erreicht Spitzenforschung allein. Immer wieder betonten die Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger, wie wichtig gute Mentorinnen und Mentoren seien – Menschen, die fördern, ermutigen und neue Perspektiven eröffnen. Ebenso häufig fiel der Rat, wissenschaftlich beweglich zu bleiben. Einer der Nobelpreisträger erzählte beim gemeinsamen Mittagessen, dass er sein Forschungsgebiet im Laufe seiner Karriere mehrfach gewechselt habe.

Ebenso eindrucksvoll fand sie, wie selbstverständlich viele Nobelpreisträger über die Balance zwischen Forschung und Privatleben sprachen. Mentale Gesundheit, körperliche Fitness und persönliche Resilienz seien keine Nebensache, sondern Voraussetzungen für langfristig erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit.

Und: Gute Forschung allein reicht nicht aus – sie muss auch verständlich vermittelt werden. In Lindau erlebte Natalie Daßler Vorträge, die komplexe Inhalte für ein internationales Publikum greifbar machten, aber auch Beispiele, bei denen genau das nicht gelang. „Mir ist noch einmal bewusst geworden, welchen Stellenwert Wissenschaftskommunikation hat“, sagt sie.

Mit neuen Perspektiven zurück in Bamberg

Mit vielen neuen Kontakten, zahlreichen Denkanstößen und einer neuen Perspektive auf wissenschaftliche Karrieren kehrte Natalie Daßler schließlich Anfang Juli nach Bamberg zurück. Was ihr von der Jubiläumstagung am stärksten in Erinnerung bleiben wird, ist deshalb nicht nur die Begegnung mit Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträgern. Sondern die Erkenntnis, dass hinter außergewöhnlichen wissenschaftlichen Erfolgen Menschen stehen, die dieselben Zweifel, Umwege und Herausforderungen erlebt haben wie viele Nachwuchsforschende heute.

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Seite 177210, aktualisiert 21.07.2026