„Die Universität Bamberg ist zu einer akademischen Heimat geworden“

Siebold-Preisträger Masashi Urabe über seine Forschung, den deutsch-japanischen Wissenschaftsaustausch und seine Verbindung nach Bamberg

  • Menschen
  •  
  • 29.09.2026
  •  
  • Hannah Fischer
  •  
  • Lesedauer: 4 Minuten

Prof. Dr. Masashi Urabe von der Universität Hiroshima ist mit dem Philipp Franz von Siebold-Preis 2026 der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgezeichnet worden. Der mit 80.000 Euro dotierte Forschungspreis würdigt besondere Verdienste um den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Japan. Das Preisgeld will er für Forschungsaufenthalte in Bamberg nutzen:  Im August 2026 war er für einen Monat zu Gast, 2027 sind zwei Monate und 2028 ein mehrmonatiger Aufenthalt geplant. 

Mit der Universität Bamberg ist der japanische Wissenschaftler schon seit vielen Jahren verbunden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Annette Scheunpflug, Inhaberin des Lehrstuhls für Allgemeine Pädagogik. „Die Auszeichnung ist etwas ganz Besonderes, weil erstmals ein Erziehungswissenschaftler den Siebold-Preis erhält“, sagt die Bamberger Professorin. Im Interview erzählt Masashi Urabe von seiner Forschung, seiner Verbindung zu Bamberg und davon, was die Auszeichnung für ihn bedeutet.

Herr Urabe, woran forschen Sie aktuell und was fasziniert Sie besonders an diesem Thema?

Masashi Urabe: Mein Forschungsschwerpunkt liegt in der Vergleichenden und Internationalen Erziehungswissenschaft. Aktuell beschäftige ich mich insbesondere mit einer didaktischen Theoriebildung zu Bildung für nachhaltige Entwicklung. Besonders faszinierend finde ich, dass unterschiedliche Länder wie Deutschland und Japan vor ähnlichen beziehungsweise globalen gesellschaftlichen Herausforderungen stehen, aufgrund ihrer jeweiligen historischen und kulturellen Kontexte jedoch ganz eigene Lösungsansätze entwickeln. Der vergleichende Blick hilft uns, das eigene System besser zu verstehen und voneinander zu lernen.

Sie arbeiten bereits seit vielen Jahren mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Bamberg zusammen. Wie ist diese Verbindung entstanden und wie hat sie sich seitdem entwickelt?

Die Verbindung zur Universität Bamberg entstand durch Prof. Dr. Annette Scheunpflug. Vor 20 Jahren erhielt ich als Research Fellow der Japanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft die Gelegenheit, ein Jahr lang an ihrem damaligen Lehrstuhl an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg zu forschen. Nachdem Annette Scheunpflug nach Bamberg gewechselt war, erhielt ich 2019 bis zum Beginn der Pandemie erneut die Möglichkeit, als Humboldtianer einen einjährigen Forschungsaufenthalt an ihrem Lehrstuhl zu absolvieren. Dadurch hat sich im Laufe der Jahre eine kontinuierliche, vertrauensvolle und sehr produktive Zusammenarbeit entwickelt, sodass die Universität Bamberg für mich zu einer akademischen Heimat in Deutschland geworden ist.

Welche Bedeutung hat der wissenschaftliche Austausch zwischen Deutschland und Japan für Ihre Forschung?

Der wissenschaftliche Austausch zwischen Deutschland und Japan bildet das Fundament meiner Arbeit. Durch den direkten Dialog entstehen immer neue Perspektiven, die weit über rein theoretische Literaturstudien hinausgehen. Das vertiefte Verständnis beider Bildungskulturen ermöglicht nicht nur eine wissenschaftliche Weiterentwicklung, sondern stärkt auch die Verbindung zwischen unseren Ländern im Bildungs- und Kulturbereich.

Was bedeutet die Auszeichnung mit dem Philipp Franz von Siebold-Preis für Sie persönlich und für Ihre wissenschaftliche Arbeit?

Für mich persönlich ist die Auszeichnung mit dem Philipp Franz von Siebold-Preis eine außerordentliche Ehre. Sie steht für die Bedeutung des deutsch-japanischen Wissenschaftstransfers. Gleichzeitig ist diese Auszeichnung für die Pädagoginnen bzw. Erziehungswissenschaftler eine große Freude, da der Preis erstmals im Bereich der Erziehungswissenschaft verliehen wurde. Diese Auszeichnung wäre einerseits ohne die wissenschaftliche Begleitung von Annette Scheunpflug nicht realisierbar gewesen und basiert andererseits auf der wissenschaftlichen Tradition der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hiroshima, die zu den größten in Japan zählt. Fast alle japanischen Humboldt-Stipendiatinnen und -Stipendiaten im Bereich der Erziehungswissenschaft haben an der Universität Hiroshima studiert oder promoviert.

Wofür möchten Sie das Preisgeld nutzen. 

Ich plane, das Preisgeld für intensive Forschungsaufenthalte an der Universität Bamberg zu nutzen, um laufende Projekte mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort zu vertiefen und neue gemeinsame Vorhaben anzustoßen. Neben den fachlichen Diskussionen freue ich mich ganz besonders darauf, wieder Zeit in der wunderschönen Stadt Bamberg zu verbringen und die fränkische Gemütlichkeit mit der Storath-Schokolade zu genießen.

Vielen Dank für das Gespräch!

nach oben
Seite 178323, aktualisiert 29.09.2026