Ein Brückenbauer zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft

Ehrendoktor Hans Maier ist verstorben

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  • 15.06.2026
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  • Tanja Eisenach
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  • Lesedauer: 6 Minuten

Die Universität Bamberg trauert um ihren Ehrendoktor Prof. Dr. Dr. h. c. Hans Maier. Der vielfach ausgezeichnete Politiker und Wissenschaftler starb im Alter von 94 Jahren in München. Bereits 1962 wurde er Professor für Politische Wissenschaft am später so genannten Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. Als bayerischer Kultusminister schuf er Anfang der 1970er Jahre hochschulpolitisch die Voraussetzungen für die Gründung der Bamberger Gesamthochschule und legte damit einen wichtigen Meilenstein für die Wiedererrichtung der Otto-Friedrich-Universität. Nach seiner Zeit als Kultusminister kehrte er an die LMU zurück und übernahm den renommierten Guardini-Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie, den er bis zu seiner Emeritierung 1999 innehatte.

„Hans Maier war ‚streitbar‘ im besten Sinne, ein Intellektueller mit Haltung“, sagt Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert, Präsident a.D. der Universität Bamberg. Als Dekan der damals noch nicht sistierten Fakultät Katholische Theologie lernte er Hans Maier 1996 kennen, als die Fakultät Geschichts- und Geowissenschaften ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Bamberg verlieh. „Sein Blick über den Tellerrand über Fach- oder Parteigrenzen hinaus, sein Wille, Zusammenhänge zu sehen und zu verstehen, sein Mut, unbequem zu sein, den Finger auch mal in die Wunde zu legen und trotzdem stets respektvoll zu bleiben, all das hat mich in zahlreichen Kontakten an ihm sehr beeindruckt. Ich empfand seine Integrität, die er als Wissenschaftler und als Politiker immer wieder unter Beweis gestellt hat, als außergewöhnlich.“

Ein Lebensthema: Die Verbindung von Demokratie und Sozialstaat

Diese seltene Verbindung von Wissenschaft und Politik war es, die Hans Maier zum Ehrendoktor der Universität Bamberg machte. Seine Habilitationsschrift „Die ältere deutsche Staats- und Verwaltungslehre“ gilt bis heute als Standardwerk der politischen Ideengeschichte und Staatslehre. Sie zeigt, dass Demokratie und Sozialstaat nicht als Gegensätze verstanden werden müssen, sondern beide auf einer langen Entwicklung staatlicher Verantwortung für das Gemeinwohl beruhen. Seine späteren Forschungen bauten darauf auf und widmeten sich der Frage, wie Freiheit und soziale Sicherheit miteinander verbunden werden können. 

Seine Positionen stehen in der Tradition der christlichen Soziallehre, die für den gläubigen Katholiken Hans Maier, der von 1976 bis 1988 Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken war, als grundlegender Orientierungsrahmen für sein politisches Denken diente. Sein akademischer Schüler Prof. Dr. Eberhard Schmitt, der von 1976 bis 2004 den Lehrstuhl für Neuere Geschichte an der Universität Bamberg innehatte, bezeichnete Hans Maier in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde als profunden Kenner „der deutschen und französischen Sozial- und Verfassungsgeschichte, als Vertreter einer historisch fundierten vergleichenden Institutionenlehre und als einen der Moderne zugewandter Analytiker der sozialen und politischen Stellung der Kirche im nachrevolutionären Zeitalter“.

Architekt der Hochschulreform und Wegbereiter der Universität Bamberg

Doch auch als Politiker war Hans Maier in Bamberg kein Unbekannter. Als bayerischer Kultusminister verantwortete er grundlegende Reformen des Hochschulwesens. In seine Amtszeit fiel unter anderem die Integration der Pädagogischen Hochschulen in die Universitäten, wovon auch die beiden akademischen Einrichtungen in Bamberg unmittelbar betroffen waren:  Zum einen die Philosophisch-Theologische Hochschule und die Pädagogische Hochschule. 

Am 25. Juni 1971 stellte Hans Maier in der AULA des heutigen Universitätsgebäudes Feldkirchenstraße 21 seine Zukunftspläne für diese beiden Einrichtungen vor: Sie sollten gemeinsam mit noch zwei neu zu gründenden Fachhochschulfachbereichen für Sozialpädagogik und Katechetik zu einer Gesamthochschule zusammengelegt werden – mit gleicher Rechtsstellung wie die bayerischen Landesuniversitäten, was den Bereich der wissenschaftlichen Studiengänge betrifft. 

Möglich wurde diese Vereinigung zu einer Gesamthochschule durch eine Hochschulreform, die damals in mehreren Bundesländern diskutiert und umgesetzt wurde. Die Bayerische Staatsregierung entschied sich auf Empfehlung von Hans Maier, das neue Konzept in Bamberg und Eichstätt jeweils als Pilotprojekt zu erproben. „Ohne Hans Maier gäbe es die Uni Bamberg vermutlich nicht“, resümiert Godehard Ruppert. „Das hat auch Altrektorin Prof. Dr. Elisabeth Roth, die gemeinsam mit Othmar Heggelbacher in einem Doppelrektorat die Verantwortung für die Gesamthochschule in der Gründungsphase übernahm und damit an den Geschehnissen unmittelbar beteiligt war, immer so formuliert. Die Errichtung der Gesamthochschule in Parallelität mit Eichstätt war ein genialer politischer Schachzug.“

Ein bleibendes Vermächtnis für die Universität Bamberg

Dank der Gesamthochschule konnte Bamberg innerhalb kürzester Zeit ihre Bedeutung als Bildungs- und Schulstadt eindrucksvoll unterstreichen. Nur wenige Jahre später, im Jahr 1979, verwarf Bayern das Pilotprojekt Gesamthochschule wieder. Die Bamberger Einrichtung erhielt Universitätsstatus, ab 1988 durfte sie ihren alten Namen Otto-Friedrich-Universität wieder führen.

Mit ihrem Ehrendoktor Hans Maier verliert die Universität Bamberg einen ihrer wichtigsten Wegbereiter. Sein Weitblick, sein Vertrauen in den Wissenschaftsstandort Bamberg und sein entschlossenes politisches Handeln haben die Entwicklung der Universität nachhaltig geprägt. Zugleich verkörperte Hans Maier in besonderer Weise die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz, gesellschaftlicher Verantwortung und politischer Gestaltungskraft. Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

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Seite 176564, aktualisiert 17.06.2026