Forschung, Ehrenamt und Verantwortung

Jannik Kiesel ist Teil des 28. Jahrgangs der Bayerischen EliteAkademie

  • Menschen
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  • 27.10.2026
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  • Hannah Fischer

Wer mit Jannik Kiesel spricht, merkt schnell: Verantwortung zu übernehmen ist für ihn kein abstrakter Begriff, sondern prägt sowohl seine Arbeit als auch seine Freizeit. Der 25-Jährige promoviert an der Universität Bamberg zu Digitalisierung im Sport und Ehrenamt, arbeitet im Projekt PIONIERIN daran, mehr junge Frauen für ein Informatikstudium zu begeistern, und engagiert sich ehrenamtlich als Vizepräsident des Deutschen Schachbundes. Auf den ersten Blick wirkt all das ganz unterschiedlich. Tatsächlich verbindet seine Aufgaben ein gemeinsames Ziel: Verantwortung übernehmen und Menschen dabei unterstützen, ihre Potenziale zu entfalten. Kürzlich wurde Jannik Kiesel in den 28. Jahrgang der Bayerischen EliteAkademie (BEA) aufgenommen. Das Programm will herausragende und gesellschaftliche engagierte Studierende wie ihn dabei unterstützen, sich zu verantwortungsvollen Führungspersönlichkeiten zu entwickeln. Warum Jannik Kiesel dazugehört, zeigt ein Blick auf seinen Werdegang.

Junge Frauen für Informatik begeistern

An der Universität Bamberg arbeitet Kiesel im vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Projekt PIONIERIN. Die Abkürzung steht für „Programm zur Inspiration und Orientierung zum Informatikstudium für Schülerinnen“. Ziel des Projekts ist es, Schülerinnen ab der 10. Klasse für ein Informatikstudium zu begeistern und ihnen durch Workshops, Einblicke in die Universität und Begegnungen mit Vorbildern neue Perspektiven zu eröffnen. Kiesel begleitet das Projekt wissenschaftlich und beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, welche Faktoren die Studienwahl junger Frauen beeinflussen.

Digitalisierung im Ehrenamt erforschen

Seine Promotion verbindet er mit einem Thema, das ihn auch persönlich begleitet. Bereits in seinem Masterstudium in Wirtschaftsinformatik an der Universität Bamberg beschäftigte ihn die Frage, wie sich die Digitalisierung auf das Ehrenamt im Sport auswirkt. Heute erforscht er am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Health and Society in the Digital Age, von Prof. Dr. Christian Maier, wie digitale Veränderungen das Engagement in Sportvereinen beeinflussen. Im Mittelpunkt seiner Forschung stehen dabei nicht technische Lösungen, sondern die Menschen, die mit ihnen arbeiten. „Es ist gar nicht so entscheidend, welche Technik eingesetzt wird. Viel wichtiger ist, dass die Menschen Unterstützung bekommen und der persönliche Austausch erhalten bleibt“, sagt Kiesel. Seine bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Digitalisierung vor allem dann gelingt, wenn Ehrenamtliche sich mitgenommen fühlen und Organisationen sie bei Veränderungen aktiv begleiten.

Verantwortung am Schachbrett

Dass ihm Menschen und ihre Entwicklung wichtig sind, zeigt sich auch in seinem ehrenamtlichen Engagement. Schach spielt Kiesel seit seinem fünften Lebensjahr. Sein Großvater brachte ihm das Spiel bei. Dass er sich einmal auf Bundesebene für den Schachsport engagieren würde, war damals allerdings nicht abzusehen. Lange spielte Kiesel neben Schach auch Tennis und Fußball. Erst über eine Ausbildung zum Schiedsrichter und Trainer fand er stärker ins Schach-Ehrenamt. Eher durch Zufall kam er schließlich zur Deutschen Schachjugend. Heute ist er Vizepräsident des Deutschen Schachbundes mit rund 100.000 Mitgliedern. 

Jetzt setzt er sich insbesondere für die Kinder- und Jugendarbeit sowie für die Förderung von Mädchen und Frauen ein. Ähnlich wie in der Informatik seien Frauen auch im Schach nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Deshalb brauche es gezielte Förderangebote, weibliche Vorbilder und Möglichkeiten, sich früh zu vernetzen. Seit Oktober 2026 engagiert sich Kiesel über den Schachsport hinaus auf Bundesebene: Er wurde in den Vorstand der Deutschen Sportjugend gewählt, der Jugendorganisation des Deutschen Olympischen Sportbundes. Dort möchte er sich ebenfalls für die Interessen junger Menschen einsetzen und die Kinder- und Jugendarbeit im organisierten Sport mitgestalten.

Der Weg zur Bayerischen EliteAkademie

Die Erfahrungen aus Wissenschaft und Ehrenamt waren auch einer der Gründe, warum ihn die Bayerische EliteAkademie sofort ansprach. Auf die BEA aufmerksam wurde er durch Prof. Dr. Daniel Beimborn, Vertrauensdozent der Akademie an der Universität Bamberg. Es folgte ein mehrstufiges Auswahlverfahren mit schriftlicher Bewerbung, Interviews und einem Assessment Center. Rückblickend war für Kiesel nicht nur die Zusage wertvoll. „Allein der Bewerbungsprozess war eine gute Gelegenheit, sich mit den eigenen Zielen und der Frage auseinanderzusetzen, welche Verantwortung man später einmal übernehmen möchte.“ 

Dabei ging es für ihn nicht nur darum, die eigenen Stärken zu präsentieren. Im Assessment Center wurde Kiesel auch mit schwierigen Führungssituationen konfrontiert. Was tun, wenn man als Führungskraft unangenehme Entscheidungen treffen muss? Möchte man diese Art von Verantwortung überhaupt übernehmen? Den Begriff „Elite“ betrachtet Kiesel dabei durchaus kritisch. „Ich mag den Begriff Elite nicht besonders, weil dadurch Menschen schnell auf ein Podest gestellt werden. Verantwortung zu übernehmen und etwas gestalten zu wollen – das ist für mich der entscheidende Gedanke.“

In der Bayerischen EliteAkademie möchte er deshalb vor allem über den fachlichen Tellerrand hinausblicken. Neben Workshops zu Führung und Persönlichkeitsentwicklung freut er sich besonders auf den Austausch mit den anderen Teilnehmenden. „Das Fachliche lernt man an der Universität. Mich interessiert vor allem, wie andere Menschen führen, Verantwortung übernehmen und ihre Persönlichkeit weiterentwickeln.“

Erste Präsenzphase im September 2026

Anfang September traf sich der 28. Jahrgang der Bayerischen EliteAkademie erstmals zu einer dreieinhalbwöchigen Präsenzphase. Für Kiesel bestätigte sich dabei, was ihn von Anfang an an der BEA gereizt hatte: der Blick über den fachlichen Tellerrand und der Austausch mit anderen. Mit 37 Teilnehmenden ist der Jahrgang außergewöhnlich groß, doch durch die viele Arbeit in Kleingruppen entstanden immer wieder neue Begegnungen. „Die ständig wechselnde Zusammenarbeit mit anderen Menschen war unglaublich erfrischend und inspirierend“, sagt Kiesel. Das Programm verband wirtschaftliche, unternehmerische, nachhaltige und KI-bezogene Themen mit Ethik und verantwortungsvoller Führung, ergänzt durch zahlreiche Einblicke in die Praxis. Zu den Highlights zählten die Outdoortage in Obergurgl, bei denen die Teilnehmenden viel über Bergrettung lernten, und ein Kaminabend mit Dr. Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, den Kiesel selbst moderieren durfte. Auch das Netzwerk der BEA eröffnet ihm Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche der Führung, und jeder Stipendiat wird zusätzlich von einem Mentor begleitet.

Wie es nach der BEA weitergeht, hat Kiesel noch nicht entschieden. Zunächst steht für ihn die Promotion und Wissenschaft im Mittelpunkt. Perspektivisch kann er sich aber ebenso vorstellen, Führungsverantwortung im organisierten Sport zu übernehmen – oder beides miteinander zu verbinden. 

Anfang Oktober ist die Bewerbungsphase für den 29. Jahrgang der Bayerischen EliteAkademie gestartet. Alle Infos gibt es unter: https://www.eliteakademie.de/

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Seite 178714, aktualisiert 27.10.2026